Geschichte der Pfarrgemeinde St. Martinus zu Emmerke
Die Pfarrkirche St. Martinus wird als “ecclesia Embrike” in einer Urkunde Bischof Bernhards I. (1130-1153) von 1151 erwähnt. Ihr merowingisches Martinus-Patrozinium, das im Raum Hildesheim besonders durch die Bischöfe Bernward und Godehard seine Verbreitung fand, könnte auf ihren Bau im 10. bzw. im 11. Jahrhundert hinweisen.
Ein Priester wird in Emmerke für das Jahr 1151 bestätigt. In dieser Urkunde von 1151 übertrug Bischof Bernhard I. die St. Martinus-Kirche dem Moritzstift. Dadurch erhielt der Archidiakon und Propst auch die Patronatsrechte über das Gotteshaus im Bann “veteris monasterii” - Altkloster.
Das Patronatsrecht über die Hauptkirche war umstritten, da es vom Archidiakon und von dem Inhaber des Oblegiums (wirtschaftlicher Nutznießer), der später in enger Verbindung zum Domkapitel stand, beansprucht wurde. Diese ungeklärte Rechtslage führte zu Auseinandersetzungen auf Archidiakonatsebene, die sich indirekt auch auf die Pfarreien des Bannes auswirkten.
Als im Jahre 1183 der Domscholaster Magister Alexander in den Besitz mehrerer Pfründe der Pfarrei Emmerke gelangte und deswegen auch das Präsentationsrecht an der St. Martinus-Kirche behauptete, kam es zum Rechtsstreit mit dem Archidiakon.
Bischof Adelog (1171-1190) entschied im gleichen Jahr, daß nach der Aufgabe der Pfarrpfründe und des Patronates in Heyersum durch Alexander, dieser sich mit dem Archidiakon die Pfründe in Emmerke teilen sollte, letzterer behielt besondere Rechte. Beide Patronatsinhaber besetzten später zeitweilig die Pfarrstelle abwechselnd, wobei dem Patron der Hauptkirche die Einsetzung des “Opfer-mannes” (Küster) vorbehalten blieb.
Das gute Einvernehmen bei der Präsentation des Pfarrers war nur vorübergehend, da es im Jahre 1313 erneut zwischen dem Domscholaster Bernhard von Dorstadt und dem Archidiakon Matthias von Braunschweig zum Streit um das Präsentationsrecht kam. Das Domkapitel entschied diesmal, daß dem Scholaster das Vorschlagsrecht zustehe.
Bis in das 17. Jahrhundert hinein hatte es zeitweilig Streit um die Ausführung des Rechtes zwischen Domkapitel und Mauritiusstift gegeben. Als das Stift sich aber 1695 an den Hl. Stuhl in Rom wandte, zog das Kapitel seine Patronatsansprüche zurück.
Die Gemeinde Emmerke gehörte zum Amt Steuerwald, das von Herzog Adolf von Holstein ab 1557 reformiert wurde. Der Zeitpunkt der Einführung der Reformation in Emmerke läßt sich nicht mehr exakt bestimmen. Hinweise gibt die Aussage des Pastors Johannes Licius im Visitationsprotokoll von 1609. Danach war sein Vertreter ab 1567 evangelisch.
Diese Angabe erscheint für die Einführung der Reformation jedoch zweifelhaft, da Bischof Burchard von Oberg (1557-1573) bereits 1564 das Amt Steuerwald wieder zurückerhalten hatte. Die Annahme der Reformation ist vielmehr nach der ev. Kirchenvisitation von 1557 zutreffender.
Die konfessionelle Zugehörigkeit des Pastors lässt sich durch seine Aussage im Visitationsprotokoll auch nicht eindeutig klären. Denn während er das kath. Glaubensbekenntnis immer wieder ablegen wollte, das ihm auch zur Amtseinsetzung verholfen hatte, lehrte er die Gemeinde nach dem Katechismus Luthers.
Die wenigen Katholiken seiner Gemeinde gingen nach Hildesheim zur Heiligen Messe (vermutlich zur Taufkirche St. Mauritius). Die Aussagen des Pastors sind nahezu exemplarisch für die ungeklärten konfessionellen Verhältnisse in der Zeit zwischen der Confessio Augustana und dem Trienter Konzil.
Nach der Visitation 1609 wurde der ev. Pastor durch Weihbischof von Arensdorff abgesetzt. Ihm folgten zwei kath. Amtsinhaber und dann der Jesuitenorden, der die Pfarrei St. Martinus und ihre Filialgemeinden Sorsum und Emmerke wieder rekatholisierte.
Während Klein und Groß Escherde auch gegenwärtig zum Pfarrbezirk Emmerke gehören, wurde 1652 die Filialgemeinde Sorsum selbständige Pfarrei. Wenig später wurde das vermutlich durch den 30jährigen Krieg stark beschädigte Gotteshaus renoviert und 1692 durch Weihbischof Adamus Adami geweiht.
Die Technisierung in der Landwirtschaft führte im Bauerndorf Emmerke zu einem Wachstum der Bevölkerung. Daher mussten zwischen 1848 und 1895 21 neue Häuser gebaut werden. Die Lage des Ortes an der Eisenbahnstrecke Hildesheim-Hannover 1853 ermöglichte den Transport der Zuckerrüben in die Fabrik nach Nordstemmen.
Einschließlich der 20 polnischen Landarbeiter gehörten 1917 850 Gemeindemitglieder aus Emmerke zur Pfarrei St. Martinus.
Bereits 1864 war die Erweiterung der 1840 restaurierten Pfarrkirche nötig. In unmittelbarer Nähe von St. Martinus lag eine Schwesternstation der Vinzentinerinnen, die sich nach dem ersten Weltkrieg der Altenpflege und der Kleinkinderbetreuung annahmen.
Nach dem 2. Weltkrieg stieg in Emmerke die Bevölkerungsanzahl sehr stark durch den Zustrom von Heimatvertriebenen, Ausgebombten und Evakuierten. Parallel damit siedelten sich auch aufgrund der verkehrsgünstigen Lage industrielle und gewerbliche Betriebe an (Metall-, Papier-, Getränkeindustrie). Deshalb ließen sich weitere Arbeitskräfte in Emmerke nieder, so waren es z. B. 1968 1783 Einwohner, von denen 1237 Katholiken waren.
Kirchlich ist die Pfarrei Emmerke mit der Filialgemeinde Hl. Familie in Klein Escherde seit 1978 Teil des Dekanates Förste-Sarstedt. Nach ihrer Zugehörigkeit zum Archidiakonat Hildesheim im Mittelalter gehörte St. Martinus bis 1808 dem Zirkel Escherde an, ab 1838 dem Dekanat Gronau, bis zu dessen Zusammenlegung mit dem Dekanat Alfeld 1959. St. Martinus wurde in das Dekanat Förste verlegt.
Damit wurde der noch zu treffenden politischen Entscheidung des Jahres 1974 zuvorgekommen. Mit Ausnahme von Emmerke hatten sich bereits die Gemeinden Ahrbergen, Groß und Klein Giesen, Groß- und Klein Förste, Hasede und Giesen zur Samtgemeinde Giesen zusammengeschlossen. Nach deren Auflösung 1974 schloß sich Emmerke mit den genannten Ortschaften zur Einheitsgemeinde Giesen zusammen. Die durch die “Ölkrise” in der Bundesrepublik einsetzende wirtschaftliche Rezession wirkte sich auch in Emmerke aus, indem zahlreiche Industriebetriebe z. B. nach Hildesheim-Himmelsthür verlegt bzw. geschlossen werden mussten.
Dies hatte die Abwanderung von Arbeitskräften aus Emmerke zur Folge. Durch die Erschließung von Gewerbe- und Wohngebieten ist gegenwärtig ein neuer Bevölkerungsanstieg zu beobachten. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Arbeitnehmer und Angestellte aus der Hildesheimer und Hannoveraner Industrie, die Emmerke als Wohngemeinde entdeckt haben.
Geschichte der Kirchengemeinde
Hl. Familie, Klein Escherde
Im 13. Jahrhundert werden die Ortschaften Klein und Groß Escherde in den Quellen häufig als Einheit behandelt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes geht auf die Tradition des Klosters Corvey zurück, wo erwähnt wird, dass ein Adeliger namens Dietmar 972-973 seinen Sohn Wichard in das Kloster gab.
Als Aussteuer des Sohnes übergab Dietmar dem Kloster eine Familie in “Hesschehirithi mit 24 Joch”. Ob es sich dabei um die Vorfahren des späteren Rittergeschlechtes von Escherde handelte, die Ministerialen des Hildesheimer Bischofs waren, lässt sich nicht belegen.
Nachweisbar ist jedoch, daß Ritter Lippold von Escherde im Ort 1203 ein Benediktinerinnenkloster gründete, das später nach “Bowingehusen” verlegt wurde. Das Kloster nahm vorübergehend den Namen Neu-Escherde an, bis es sich Kloster-Escherde nannte. Der Stifter übereignete dem Kloster nicht nur Grundbesitz, sondern übertrug ihm nach der Zustimmung des Bischofs das Patronatsrecht über die Escherder Pfarrkirche.
Kunsthistoriker vermuten, dass die bis 1891 bestandene Pfarrkirche, deren mittelalterliches Patrozinium unbekannt ist, um das Jahr 1200 erbaut sein könnte. Das Kloster wurde 1236 durch Bischof Konrad II. (1221-1246) aus dem Pfarrverband von Betheln und dem Archidiakonat Reden gelöst. Seine Selbständigkeit wurde jedoch durch die Familie von Escherde eingeschränkt, da es den Söhnen des Stifters vorbehalten blieb, sich vom Konvent des Klosters zum Vogt wählen zu lassen.
Seit 1258 treten urkundlich Differenzierungen zwischen Klein und Groß Escherde auf. Klein Escherde erhielt vermutlich erst mit der Stiftung der Vikarien St. Cruxis und St. Martin durch den Archidiakon und Propst eine Kapelle und einen Kaplan. Der Kaplan an der Kapelle, die wahrscheinlich das Patrozinium St. Cruxis und St. Martin übernommen hatte, wird für das Jahr 1380 bestätigt.
Kirchlich war Klein Escherde als Filialgemeinde Groß Escherde angehörig. Diese gehörte zur Klosterkirche St. Maria-Johannes Bapt., von wo aus der Pfarrer seine Gemeinde betreute. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Klosters Escherde waren durch die Zuwendungen von Bischof Magnus (1424-1452) Mitte des 15. Jahrhunderts behoben worden. Um die religiösen Verhältnisse der Klostergemeinschaft prüfen zu können, war der kath. “Kirchenreformator” Johannes Busch 1441 mit einer später erfolgreichen Reform des Klosters beauftragt worden.
Der Quedlinburger Rezeß 1523 war für die konfessionellen Verhältnisse beider Ortschaften bedeutend. Denn während Groß und Klein Escherde im Amt Steuerwald unter fürstbischöflichem Einfluß verblieben, lag das Kloster Escherde im Großen Stift und war somit in den Besitz Erich I. von Braunschweig-Calenberg gelangt, dessen Ehefrau Elisabeth von Calenberg es 1545 reformierte. Als Landesfürst nahm im Jahre 1600 Herzog Julius II. von Braunschweig-Wolfenbüttel auch das Patronatsrecht über die Filialkirche in Groß Escherde für sich in Anspruch.
Nach der kirchlichen Visitation der Jahre 1608-1609 waren Kloster Escherde und die Gemeinde Groß Escherde reformiert. Die Einwohner von Klein Escherde hatten sich jedoch teilweise 1609 wieder an den kath. Kultus gewöhnt.
Um die kath. Religionsverhältnisse wieder stärken zu können, wurde Klein Escherde in den Pfarrsprengel Emmerke verlegt.
Nach der Restitution des Stiftes im Jahre 1643 hatte Fürstbischof Ferdinand (1612-1650) das Kloster zeitweilig mit männlichen Ordensleuten besetzen lassen. In der kath. Filialgemeinde Klein Escherde wurde 1699 eine Fachwerkkapelle mit dem Patrozinium Hl. Familie erbaut, da vermutlich das ursprüngliche Gotteshaus im 30jährigen Krieg zerstört worden war.
Nach der Neubelebung der kirchlichen Pfarrorganisation des Bistums 1760 wurde die Klosterpfarrei “Escherde” sogar eigener Zirkel “Escherdensis”. In Anbetracht der drohenden Säkularisation des Klosters wurde der Zirkel Escherde 1808 aufgelöst und stattdessen der Zirkel Emmerke eingerichtet. Die Säkularisation des Klosters wurde unter der Herrschaft König Jeromes 1810 durchgeführt. Damit wurde gleichzeitig auch die Klosterpfarrei aufgelöst, die 1803 noch 257 kath. Christen betreut hatte.
Seit den Bombenangriffen auf Hildesheim 1945 wurde in Klein Escherde an Sonn- und Feiertagen in der Kapelle die Heilige Messe gefeiert. Da nach 1945 durch den Flüchtlingsstrom die kath. Bevölkerung erheblich angestiegen war, wurde die baufällige Fachwerkkirche bald zu beengt für die etwa 140 Gottesdienstbesucher.
Im Jahre 1973 entschloß sich die Bistumsleitung und der Escherder Kapellenvorstand zur Übergabe des Gotteshauses an das Museumsdorf Cloppenburg. Auf ihrem ursprünglichen Platz wurde noch im selben Jahr eine neue Kapelle erbaut, die das Patrozinium Hl. Familie übernommen hat.