29.05.2007

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60 Jahre SoVD Ortsgruppe Emmerke
 


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Festrede zum 60. Bestehen des Sozialverbandes - Ortsverband Emmerke
23. März 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,
wie vielen von Ihnen sicher noch in Erinnerung ist, hatte nach dem Zusammenbruch des dritten Reiches 1945 die damalige Militärregierung das Reichsversorgungsgesetz, das die Ansprache der Kriegsopfer regelte, außer Kraft gesetzt. Nur den Schwerstbeschädigten wurde eine kleine Rente gewährt. Viele Kriegsversehrte, Kriegerwitwen und -waisen kamen dadurch in eine wirtschaftliche Notlage. Zu dieser Zeit fanden sich Kriegsversehrte beider Weltkriege zusammen, um den von den Nationalsozialisten 1933 verbotenen Reichsbund wieder aufleben zu lassen. In dieser Zeit großer wirtschaftlicher Not wurde am 23. März 1947 im Gasthaus Kollmann die Reichsbund-Ortsgruppe Emmerke unter Einschluss von Groß Escherde und Klein Escherde von 9 Kriegsversehrten und 2 Hinterbliebenen gegründet.

Die Leitung der Versammlung hatte Kamerad Ohm aus Hildesheim. Zum 1. Vorsitzenden wurde Kamerad Hans Pieper gewählt. Des Weiteren gehörten zu den Gründern der Ortsgruppe: Ernst Tölke, Alfons Haller, Wolfgang Hell, Heinrich Gentemann, Karl Butterbrot, Heinz Eubel, Heinrich Magerkurth, Ernst Klußmann, Edith Klemmer, Gerda Graatz und Anna Güntner, sie trat am 1. April 1947 der Ortsgruppe bei.
Nach Gründung der Ortsgruppe wurden monatlich regelmäßig Versammlungen durchgeführt, um die Mitglieder über die neuen Bestimmungen der Kriegsopferversorgung gut zu informieren. Da das Vertrauen zum Reichsbund wuchs, stieg die Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres auf 74 an. Besonders die älteren Menschen nahmen die vom Reichsbund angebotene Hilfe gern an.  Ab 1949 erhielt zunächst jedes zweite Mitglied - später jedes Mitglied - zur besseren Information die Reichsbund-Zeitschrift. Um einen Ausgleich zwischen Emmerke und Escherde zu schaffen, wurden die Versammlungen abwechselnd in Emmerke und Groß Escherde abgehalten. Diese Zeit, die wir heute kurz in Erinnerung rufen wollen, stand unter dem Wahlspruch: "Im Dienste am Nächsten verzehre ich mich", wie aus dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden Pieper von Oktober 1947 zu ersehen ist.

Den Mitgliedern wurde mittelbar oder unmittelbar geholfen bei der Beantragung von Renten, Beihilfen und anderen Sozialleistungen, bei der Suche nach vermissten Angehörigen oder Rentenunterlagen und auch bei der Beschaffung von Heizmaterial und dringend benötigten Gebrauchsgegenständen durch Mitwirkung im Verbraucherausschuss der Gemeinde.
Durch Vermittlung von Hans Pieper war es auch gelungen, mehrere Kriegsversehrte in Arbeit und Brot zu bringen. Später kamen Sammlungen für die freien Wohlfahrtsverbände und die Kriegsgräberfürsorge und mancherlei andere Aufgaben hinzu.

Zur Förderung der Kameradschaft wurden Busfahrten, Tanzvergnügen, Mandolinenkonzerte und Weihnachtsfeiern mit Kinderbescherung und Betreuung alter Menschen durchgeführt. Bei vielen Mitgliederversammlungen war der 1. Kreisvorsitzende des Reichsbundes oder der Kreisgeschäftsführer zugegen, um über aktuelle soziale Themen zu sprechen und die Ortsgruppe zu beraten. Es würde zu weit führen, alle Veranstaltungen und Aktionen der Ortsgruppe Emmerke aufzuzählen.

Einige wichtige Daten und Ereignisse sollen bei dieser Jubiläumsfeier in Erinnerung gebracht werden: Am 28. Mai 1949 hatten wir zu Gast das Mitglied des Bundesvorstandes, Kamerad Kappey aus Hildesheim, der ein Referat über die Krankenversorgung hielt.Da Kamerad Hans Pieper nach Hildesheim verzog, wurde Kamerad Ossenkopp aus Groß Escherde am 02. Februar 1950 zum 1. Vorsitzenden gewählt. In der Versammlung am 24. November 1950 schlug der Kreisvorsitzende Wagner vor, wegen der steigenden Zahl der Mitglieder möge sich Escherde von der Ortsgruppe Emmerke trennen. Die Beteiligung an den Versammungen könne dadurch gesteigert und der Kameradschaftsgeist gefördert werden. Diese Abspaltung wurde aber von den Mitgliedern aus Groß und Klein Escherde zu diesem Zeitpunkt nicht gewünscht und es verblieb noch bei der bisherigen Verbindung. Im Jahre 1952 hatte die Ortsgruppe Emmerke mit 110 Mitgliedern ihren höchsten Stand.

Es kam aber erst am 21. November 1959 zur Gründung der eigenständigen Ortsgruppe für Groß und Klein Escherde mit der 1.Vorsitzenden Kameradin Else Funke. Erwähnenswert sei hier, dass auch ihre zwei Amtsvorgänger Frauen waren, was zu damaliger Zeit eine Besonderheit darstellte. So können wir mit Recht behaupten, dass sich die Frauen von Anfang an und bis heute bei der Bewältigung unserer Aufgaben stets aktiv eingebracht und Verantwortung mitgetragen haben. Dankbar erinnern wir an unseren ehemaligen Ehrenvorsitzenden, Kameraden Heinrich Hillebrandt, allseits auch bekannt als Bürgermeister sowie Kreistagsmitglied, der am 12. Januar 1960 den 1. Vorsitz unserer Ortsgruppe übernahm. Er wirkte auch jahrelang im Kreisvorstand des Reichsbundes mit.

Unermüdlichen Einsatz für die Ortsgruppe als Kassiererin und Schriftführerin und Hilfe bei vielen Alltagsfragen erfuhren die Mitglieder durch unsere ehemalige Kameradin Erna Schubert, die leider auch viel zu früh aus unserer Mitte gerissen wurde. Ihr wurde am 21. Dezember 1975 als Anerkennung der "Ehrenschild in Gold" des Reichsbundes verliehen.

Durch Kamerad Wolfgang Hell erfolgte die Nachfolge als 1. Vorsitzender am 3. Juni 1970. Er konnte somit am 27. Mai 1972 das 25-jährige Bestehen der Ortsgruppe Emmerke im Gasthaus Kollmann feierlich gestalten und mit einer großen Mitgliederbeteiligung diesen Festakt würdig begehen. Der Reichsbund erreichte mit seinem Bestreben, den bedürftigen Menschen in sozialrechtlichen Angelegenheiten zu helfen, mittlerweile nicht nur die Kriegsopfer und ihre Angehörigen. Auch Sozialrentner und Zivilbeschädigte orientierten sich neu und traten dem Reichsbund bei. Am 22. November 1973 ergab die Vorstandswahl, dass der damalige Schriftführer Kamerad Miemitz zum 1. Vorsitzenden bestimmt wurde.

Nach dessen Wegzug im Jahre 1977 bekleidete Kamerad Richard Joop dieses Amt. Unter seiner Führung beschloss die Mitgliederversammlung am 4. März 1978, sich wegen Einrichtung einer Arztpraxis in Emmerke an den Niedersächsischen Sozialminister Schnipkoweit zu wenden, was durch Schreiben vom 12. April 1978 geschah. Es vergingen jedoch noch einige Jahre, bis die Anstrengungen des Reichsbundes verwirklicht werden konnten und die Praxiseröffnung erfolgte.

Zur Feier des 30-jährigen Bestehens fanden sich am 23. September 1978 zahlreich die Mitglieder und Ehrengäste aus den örtlichen Vereinen und Verbände sowie der Kirche und Gemeinde ein.
1987 wurde das 40-jährige Jubiläum mit einem gelungenen Festakt im Gasthaus Egert begangen.

Am 19. Juli 1992 verstarb der 1. Vorsitzende Kamerad Richard Joop. Er führte die Ortsgruppe über 15 Jahre und hinterließ eine große Lücke in unseren Reihen. Durch den Kameraden Günter Wetzel wurden die Geschäfte des 1. Vorsitzenden kommissarisch geführt, so dass der Vorstand in seiner damaligen Form weiterbestand.

Die Jahreshauptversammlung am 27. März 1993 wählte unter Vorsitz des 2. Kreisvorsitzenden, Kamerad Gerhard Kraus, als 1. Vorsitzender Hans-Joachim Werth.
Im Januar 1994 setzte sich die Ortsgruppe mit Erfolg für den Erhalt der Verwaltungsnebenstelle in Emmerke ein. Im Juni 1995 fand die erste Mehrtagesfahrt statt und führte uns für 4 Tage an die Mosel, nach Trier und Luxemburg.
 
Seit dem 01. Juli 1996 hat der Reichsbund einen neuen Namen. Sozialverband Reichsbund e. V. Als Sozialverband Reichsbund e. V. Ortsverband Emmerke dokumentiert der Verband in der Namensgebung den Wandel seiner Aufgabenstruktur, die sich von der Betreuung der Kriegsopfer mehr und mehr auf die Bewältigung sozialer Probleme wie Renten, Behinderungen, Pflegeleistungen usw. verlagert hat.
Im 50. Jubiläumsjahr 1997 zählt der Ortsverband 112 Mitglieder. Es sei noch zu bemerken, dass sich auch die Altersstruktur bei uns stark verbessern konnte und wir durch meist jüngere Mitglieder verstärkt wurden. Dies sehen wir als Zeichen dafür, dass sich unsere bisher geleistete Arbeit als richtig erwiesen hat und wir den Bedürfnissen und Belangen unserer Mitglieder gerecht werden konnten.
Mit dem neuen Namen Sozialverband Deutschland (SoVD) e.V. sind wir ins neue Jahrtausend gestartet.

Besondere Veranstaltungen des SoVD-Emmerke in den letzten 10 Jahren waren der ganztägige Besuch der Bundesgartenschau 2 in Magdeburg mit 100 Teilnehmern. Die 5 tägige Fahrt in den Bayerischen Wald 2002 führte uns nach St. Englmar. Für 7 Tage erkundeten wir 2003 das herrliche Salzburger Land mit Unterkunft in Lofer. Die letzte mehrtätige Fahrt führte uns im Jahr 2004 für wiederum 7 Tage in die schöne Gebirgswelt des Kleinwalsertals. Des weiteren wurden mehrere Halbtags- und Ganztagsfahrten durchgeführt.

Seit 2002 finden jährlich 5 feste Veranstaltungen statt, nämlich Mitgliederversammlung, Spargelessen, Kaffee- und Grillnachmittag, Braunkohlessen und die Weihnachtsfeier. Alle Veranstaltungen sind immer gut besucht.

Seit der Fusion der Kreisverbände Hildesheim und Alfeld am 1. Januar 2004 sind 91 Ortsverbände mit 13.000 Mitgliedern im Kreisverband Hildesheim/Alfeld zum bundesstärksten Kreisverband zusammen geführt worden.  Die Mitgliederzahl unseres Ortsverbandes umfasst heute 119 Personen. Das Durchschnittsalter im Ortsverband Emmerke beträgt 55 Jahre. Somit sind wir der zweitjüngste Ortsverband nach Wülfingen im Kreisverband. Unser jüngstes Mitglieder ist ein halbes Jahr alt, die beiden ältesten Mitglieder zählen 87 Jahre. Durch die Einführung des Einzel-, Partner- und Familienbeitrages im Jahr 2002 wurde uns die Möglichkeit gegeben, eine gesunde Altersstruktur zu schaffen.

Unseren besonderen Dank für die Gute Zusammenarbeit auf Gemeindeebene richten wir an den Bürgermeister der Gemeinde Giesen, Herrn Andreas Lücke, ebenso an den Ortsbürgermeister Herrn Josef-Theodor Möller. Für mehr als drei Jahrzehnte haben wir der Familie Egert für die gute Betreuung bei der Durchführung und Ausstattung von Veranstaltungen des Ortsverbandes Emmerke zu danken und wünschen uns noch viele vergnügliche Stunden in diesem Haus. Herzlichen Dank im Namen aller Mitglieder. Unerwähnt bleiben sollen auch nicht die guten Geister unseres Ortsverbandes, die uns in jeder Hinsicht freiwillig und tatkräftig in unserem Tun unterstützten und so immer zu dem guten Gelingen unserer Vorhaben in vielfältigster Weise beigetragen haben.

Als Anerkennung und Dank für die geleistete Vorstandsarbeit in dieser Zeit möchte ich hier noch einmal die Namen der Vorsitzenden nennen:
Gründungsjahr 1947 1. Herr Pieper, Hans
1950 2. Herr Ossenkopp
1953 3. Herr Tölke, Ernst
1954 4. Frau Menzel
1955 5. Frau Gawron
1955 6. Frau Funke, Else
1959 Abspaltung Groß und Klein Escherde
(Frau Funke für Escherde)
1960 7. Herr Hillebrandt, Heinrich
1970 8. Herr Hell, Wolfgang
1973 9. Herr Miemitz
1977 10. Herr Joop, Richard
1992 11. Herr Wetzel, Günter
1993 12. Herr Werth, Hans-Joachim

Wir wollen unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie über die Neuerungen im Sozialwesen und die Durchsetzungsmöglichkeit ihrer Ansprüche stets auf dem Laufenden halten.
Hierbei haben wir immer auf den Beistand der Kreisgeschäftsstelle Hildesheim vertrauen können und tatkräftige Unterstützung erhalten. Dies war ein Überblick über 60 Jahre erfolgreiche Arbeit im Ortsverband Emmerke.

Ich wünsche uns allen für die Erledigung der zukünftigen Aufgaben im Sozialverband weiterhin eine glückliche Hand.

 

 

 

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